Aktuelles aus Österreich

 

Meine Russlandreise 26.9. – 14.10.2018

Endlich wieder einmal – nach 2 ½ Jahren - für einen längeren Zeitraum nach Russland! Dazwischen waren zwar die wunderbaren Kurzreisen zum 9. Mai nach Moskau und 2016 durfte ich Monika begleiten, als sie zum 1. Mal ihrem Vater begegnete.

Doch diesmal gab es wieder genug Zeit, um Freunde zu besuchen und – so hoffe ich – etwas in unserer Sache, der Suche nach den Vätern, weiterzubringen. Da wir nun auf die Unterstützung von Außenminister Sergeij Lavrov zählen können, ist die Hoffnung größer.

Zuallererst möchte ich mich bei allen, die mich so freundlich und herzlich empfangen haben, ganz innig bedanken! Was täte ich ohne Tatjana und Dmitrij, bei denen ich wohnen durfte und aufs Beste verköstigt wurde! Jeder Tag war ausgefüllt mit Treffen der verschiedensten Menschen, ich habe mich über alle sehr gefreut. Einmal habe ich sogar in einer russischen Schule, in der Englischstunde, den jungen Leuten der Abschlussklasse aus meinem Leben erzählt. Sie waren sehr interessiert, ein besonders Erlebnis!

Moskau ist wieder moderner geworden, man kann nur staunen, wie schnell das geht. Der neue, riesige Park „Sarjadje“ ist jetzt eröffnet, dort, wo einst das größte Hotel der Welt, das Rossija, stand. Daraus ist ein großer Landschaftspark mit Hügeln und Tälern geworden, einer Aussichtsbrücke, die halb über den Fluss Moskwa führt, mit Pflanzen und Bäumen aus ganz Russland, einer Freilichtbühne, einer großen Konzerthalle usw. Moskauer wie Touristen schätzen diese neue grüne Lunge mitten in der Stadt, neben dem Kreml, sehr.

Sogar das ВДНХ, das große Ausstellungsgelände aus der Sowjetzeit mit seinen Pavillons aus allen früheren Teilrepubliken, ist inzwischen renoviert worden und die Pavillons der einzelnen Länder erstrahlen in neuer Pracht. Wunderschön!

Meine Suche führte mich auch nach Nischnij Novgorod, zu Sergeij, dem Enkel eines „möglichen“ Vaters. Wir haben einen DNA Test gemacht, den ich dann in Moskau ins Zentrum für Genetik gebracht habe. Auf das Resultat warten wir noch. Die Familie von Sergeij hat mich sehr liebenswürdig aufgenommen und auf echt russische Weise bewirtet. Ich war zum 1. Mal in dieser Stadt. Wir machten einen ausgedehnten Spaziergang durch das Zentrum, leider war das Wetter nicht so günstig, sehr windig und kalt.

Es war eine sehr schöne Reise mit so vielen Eindrücken, die ich gar nicht in Worten wiedergeben kann. Um eine Erkenntnis bin ich jedoch reicher geworden: das alles habe ich meinem bis jetzt unauffindbaren Vater zu verdanken. Wäre die jahrelange Suche nach ihm nicht so schwierig, hätte ich das alles nicht erlebt. Merci Papa! Спасибо!

 Link zu den Fotos: https://photos.app.goo.gl/Woe7q7kLyVy89uFW7

 Interview in "Russia Beyond"  

20.10.2018

Eleonore Dupuis

 

 

 

 

Buchpräsentation „Österreich – Russland. Stationen gemeinsamer Geschichte“

Am Freitag, 25. Mai 2018 wurde im Russischen Kulturinstitut in Wien das Gemeinschaftswerk der Österreichisch-Russischen Historikerkommission vorgestellt.

Ein sehr feierlicher Abend! Diese Jubiläumsausgabe über 10 Jahre Tätigkeit der Historikerkommission ist von Wissenschaftlern beider Länder gemeinsam geschrieben worden. Es handelt von den jahrhundertealten Beziehungen zwischen Russland und Österreich bis in die heutige Zeit und ist in beiden Sprachen herausgekommen. Dieses Buch wird auch als Lehrbehelf in beiden Ländern zur Verfügung stehen. Also ist es ganz schön bedeutend!

Und eine total erfreuliche Überraschung und eine große Ehre für mich: mein Buch „Befreiungskind“ wird dort auf Seite 198 erwähnt! Das freut mich sehr! Somit ist mein Buch auch ein kleiner Beitrag zum Verständnis und zu den friedlichen Beziehungen zwischen Österreich und Russland.

Das verdanke ich besonders Barbara Stelzl-Marx vom Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung und Olga Pavlenko von der RGGU in Moskau. Auch meinen beiden Verlegern Erich Liaunigg und Andreij Sorokin bin ich dankbar, dass sie mein Manuskript ursprünglich angenommen haben. Nicht zuletzt aber Elena Rudkewitsch, die ganz uneigennützig mein Buch ins Russische übersetzt hat. Viele Menschen sind an diesem Erfolg beteiligt.

Wer hätte gedacht, welche Kreise diese einfache Geschichte der Suche nach meinem Vater einmal ziehen wird?

Anschließend habe ich mit der Vertreterin des Außenministeriums gesprochen wegen Hilfe bei der Suche nach unseren Vätern. Sie sagte, sie wisse schon von mir und unserem Anliegen, sie wird wieder die Sprache darauf bringen.

3. Juni 2018 Eleonore Dupuis

 

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Liebe Russenkinder und Freunde,


zur Feier des 9. Mai sind einige von uns auf Einladung des Бессмертный полк (Unsterbliches Regiment) nach Moskau geflogen.


Die herrliche Moskaureise war schnell vorüber, dafür umso eindrucksvoller. Jedenfalls war es für uns fünf ein wunderbares, großartiges, beeindruckendes Erlebnis. Wir sind wie Ehrengäste empfangen worden. Der Marsch war natürlich das größte Erlebnis, ein Höhepunkt, wie viele sagten. Drei von uns konnten mit einem Bild ihres gefundenen Vaters marschieren, zwei trugen eine Tafel, dass wir noch suchen. Für Monika kam ein Teil der russischen Familie mit: samt Nichten und Neffen waren es insgesamt 6 Personen. Zu Tatjana gesellte sich ihre Schwester Larisa aus Smolensk. Alles in allem waren wir ein schönes Grüppchen. Das Schwierigste war, einander nicht zu verlieren! Wir – Teil einer Menge von mehr als 1 Million Menschen, die die Twerskaja zum Roten Platz hinuntermarschierten. Sie alle wollen ihre Angehörigen, die für die Freiheit gekämpft haben,
nicht vergessen lassen. Unbeschreiblich, überwältigend! Als dann der Zug am Roten Platz an der Tribüne mit den letzten verbliebenen Veteranen vorbeimarschierte, riefen alle „Спасибо“!


Man kann die Gefühle in Worten kaum ausdrücken. Für uns hat es noch eine andere, symbolische Bedeutung: eine Art  Anerkennung als Befreiungskinder, als Kinder der damaligen sowjetischen Soldaten. Der Organisation des Бeссмертный полк samt den Sponsoren und Russland selbst sind wir dafür dankbar.  Nun bräuchten wir nur noch Hilfe von offizieller Seite, unsere Väter zu identifizieren.

Zum Schluss noch ein link zum Interview von Tatjana und mir auf Russia Today:
https://www.youtube.com/watch?v=Kzsf4FgFNJY 

und eine kleine Auswahl aus meinen Fotos:
https://photos.app.goo.gl/P2uh9Cx4Zq7xFmZ52

Liebe Grüße

Eleonore

 

Sechstes Zeitzeugen-Forum „Erzählte Geschichte“ im Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich

Copyright: Museum Niederösterreich

v. l. n. r.: Christian Mader, Olexander Scherba, Gerhard Verosta, Tatjana Herbst, Barbara Stelz-Marx, Eleonore Dupuis, Matthias Pacher (Geschäftsführer Museum Niederösterreich)

 

 

Treffen mit meinen Schwestern in Amerika

Mein Vater – ein Ukrainer – war zu Ende des zweiten Weltkrieges auf den Bauernhof meines Onkels in Arnsdorf bei Salzburg – gekommen, wo er meine Mutter kennengelernt hatte und ich im Februar 1947 zur Welt gekommen bin. Er ist dann Ende 1947 von Österreich nach Frankreich gereist. Er schrieb von dort meiner Mutter zwei Briefe , den letzten im September 1948, in dem er von einer Rückkehr in die Ukraine sprach. Deshalb begann ich meine – erfolglose Suche – im Osten. Nach ein paar Jahren Pause bekam ich bei einem Treffen der Besatzungskinder in Graz den Tipp, beim Vormundschaftsgericht anzufragen, ob mein Akt noch existiert und ich mehr über meinen Vater herausfinden könnte. Nach anfänglicher Abwehr des zuständigen Beamten und Einschalten der Volksanwaltschaft bekam ich nochmals einen Termin zur Akteneinsicht . Daraus habe ich erfahren, dass mein Vater in die USA ausgewandert war. Mit dieser Information (Schwierigkeiten gab es noch mit der kyrillischen Schreibweise des Familiennamens) konnte ich über das Österr. Rote Kreuz einen Auszug aus dem amerikanischen Sterberegister bekommen, wonach er bereits 1996 verstorben war. Bei der Suche nach evt. Familienangehörigen konnte das Rote Kreuz nicht mehr behilflich sein. Nach langen Nächten bei Recherchen im Internet, konnte ich vor zwei Jahren herausfinden, dass ich in Amerika drei Schwestern habe (in Wirklichkeit nur zwei, die Dritte ist die Tochter seiner Frau aus erster Ehe) . Diese Schwestern habe ich nun besucht.

Nun habe ich es geschafft! Nach der ersten brieflichen Kontaktaufnahme mit meinen beiden Schwestern in Amerika habe sie nun mit meinem Mann in Amerika besucht und persönlich kennengelernt!

Mit meiner jüngeren Schwester Janit hatte ich bereits regelmäßigen E-Mail-Kontakt – sie ist 52 Jahre alt, verheiratet und hat einen 12-jährigen Sohn. Mit meiner zweiten Schwester Mary (53 Jahre alt, unverheiratet, Onkologie-Krankenschwester) gab es bisher nicht viel Kontakt. Aufgrund der Familiensituation von Janit (sie ist sehr mit ihrem Sohn beschäftigt – ihn von der Schule zu seinen verschiedenen Sport- und Musikkursen zu fahren, außerdem arbeitet sie von zu Hause als Managerin einer Schriftstellerin – ihr Mann arbeitet in Chicago und hat nur zwei Wochen Urlaub im Jahr) habe ich mir den Besuch und auch den Zeitpunkt gut überlegt. Wir haben unser Treffen in eine Amerika-Kanadarundreise eingebettet, um beiden Seiten den Druck eines großen Erfolges unseres Treffens zu nehmen. Sie hat sich dann bei unserer Abreise nochmals sehr bedankt, wie „thoughtful „ wir waren und auf Ihre Familiensituation so Rücksicht genommen haben.

Natürlich war ich sehr aufgeregt – nach ein paar Tagen in Chicago – mit dem Besuch des ukrainischen Viertels von Chicago, in dem mein Vater viele Jahre gelebt hatte, fuhren wir am Freitag nach St. Charles in Illinois. Als meine Schwester die Tür öffnete und wir uns umarmten, war sofort eine große Vertrautheit spürbar. Meine Tränen flossen, als sie mir ein wunderschönes Fotobuch – mit Fotos meines Vaters – als Willkommensgeschenk überreichte. Sie wohnen in einem sehr schönen Haus und stellten uns ihr großes Schlafzimmer mit wunderschönem angrenzenden Bad für die Dauer des Aufenthaltes zur Verfügung. Nach kurzer Zeit kam auch mein Schwager Ruben (seine Mutter ist Mexikanerin) nach Hause, der mich ebenfalls sehr herzlich begrüßte. Er sagte uns, wie aufgeregt Janit war und er es so mutig von mir fand, den ersten Schritt zu tun und eine so weite Reise für unser Kennenlernen zu unternehmen. Sie luden uns dann zumAbendessen in ein schönes Restaurant ein , wo wir uns in entspannter Atmosphäre weiter kennen lernen konnten.

Am nächsten Morgen kam meine Schwester Mary – auch sie ist eine sehr herzliche Person und wir waren einander sofort vertraut. Auch ihr Willkommensgeschenk hat mich aus der Fassung gebracht: Sie schenkte mir ein goldenes Kreuz, das mein Vater immer als Anhänger getragen hatte (er war sehr gläubig) und einen Muttergottesanhänger (er war ein großer Marienverehrer). Später kamen dann noch Joan (Schwester aus der ersten Ehe ihrer Mutter) mit Tochter und Enkelkindern.

Wir haben den ganzen Tag Fotos geschaut, gegenseitig über unser Leben erzählt. Mein Schwager Ruben hat gegrillt, es kamen außerdem noch Nachbarn und eine Freundin meiner Schwestern vorbei!

Als wir am nächsten Tag unsere Weiterreise antraten (mit Geschenken für unsere Enkelkinder) war ich mir nun ganz sicher, mit meinen Schwestern nun meine wirklichen Wurzeln und einen Teil meiner Familie gefunden zu haben. Interessant ist auch, dass (so wie ich) alle fanden, dass wir drei eine Ähnlichkeit haben (zumindest im Augenbereich).

Ich bin mir nun ziemlich sicher, dass sie uns – nachdem sie uns kennengelernt haben, wahrscheinlich schon im nächsten Jahr in Österreich besuchen werden.

Wir haben dann mit einem Mietauto eine schöne Rundreise über die großen Seen weiter nach Toronto und den Niagarafällen gemacht. Es war eine so schöne Reise - mit der inneren Dankbarkeit für das schöne Treffen - das Land und die Leute kennen zu lernen, in dem mein Vater ein Großteil seines Lebens verbracht hat und in dem meine neue amerikanische Familie lebt. Nach dem Besuch der Niagarafälle sind wir über Cleveland und Elkart (Besuch des Amish-countries) zurück nach Chicago, wo wir mit großer innerer Dankbarkeit den Heimflug antraten. Von meiner Schwester Mary habe ich nun doch noch Adressen von Verwandten aus der Ukraine bekommen. Die Adressen sind zwar 20 Jahre alt, doch hoffe ich, nun auch noch Verwandte in der Ukraine kontaktieren zu können. Vater hatte sehr viel in die Ukraine geschrieben, doch sind keine Briefe mehr vorhanden. Mein Wunsch ist es, eventuell im nächsten Jahr in die Ukraine zu fahren, und das Geburtsdorf meines Vaters zu besuchen.

Ich möchte mich bei euch allen heute nochmals für die Unterstützung bei meiner Suche zu bedanken.

Ohne die Gruppe der Besatzungskinder hätte ich meine Suche nicht so intensiv verfolgt und meine Schwestern nie gefunden!

Rosa Koch

16. August 2017

 

Russenmädchen” in der Buckligen Welt

Besuch der Gedenkstätte in Thomasberg am 29. Mai 2017

Am Montag, 29. Mai war es endlich so weit: der langgeplante Ausflug wurde verwirklicht. Hans Hagenhofer hatte diesen Tag bestens vorbereitet und organisiert. Sieben Personen fuhren von Wien und Tulln nach Hochwolkersdorf. Darunter leider nur drei „Russenmädchen“. Hans hatte diesen Ausflug eigens für uns geplant. Es kamen: Maria, ihr Mann Absi, Trude, eine gemeinsame Freundin und ich, weiters Hanni, ihr Mann Fritz und Christian Mader, der sich extra einen Urlaubstag genommen hat, das muss man bei seinem enormen Arbeitsvolumen besonders hervorheben und schätzen. Alle kamen pünktlich um 11 Uhr in Hochwolkersdorf an, wo uns schon Hans Hagenhofer erwartete. Auch die Frau Bürgermeister war zur Begrüßung da.

 

Mit spannenden und berührenden Geschichten über die Bewohner der Buckligen Welt und Episoden der Vor- und Nachkriegszeit führte er uns in das heutige Thema ein. Er hat die Gabe, anhand von Beispielen die Zeitgeschichte so wunderbar lebendig zu machen; wir alle waren begeisterte und aufmerksame Zuhörer. Die meisten dieser Geschichten kann man in seinem Buch „Eine Bucklige Welt. Krieg und Verfolgung im Land der tausend Hügel“ nachlesen. Von ihm selbst erzählt wirken sie aber noch viel lebendiger, man erlebt sie nahezu selbst mit.

Es folgte ein kurzer Besuch im Gedenkraum 1945, dem kleinen Museum der Entstehung der Zweiten Republik hier in Hochwolkersdorf. Dann fuhren wir gemeinsam mit Hans und seiner Frau Hella, ihrer Schwester Gabi und deren Mann Karl weiter über Wiesmath nach Krumbach zum Mittagessen, wobei wir auf der Strecke ein paarmal stehenblieben, um wunderschöne Ausblicke in die Gegend zu genießen, z.B. bei der Wallfahrtskirche Annaberg und beim Energieerlebnispark Lichtenegg. Die Landschaft präsentiert sich herrlich, ja paradiesisch; besonders bei so schönem strahlendem Wetter wie an diesem Tag.

 

Als wir im Gasthaus „Weisses Kreuz“ ankamen, war das Mittagessen dank der guten Organisation von Hans schon vorbestellt und bereit zum Servieren in einem schönen hellen Raum. Der Wirt war sehr sympathisch und entgegenkommend, das Essen schmeckte ausgezeichnet.

So gestärkt traten wir die Wanderung vom Parkplatz Wiesfleck zur Gedenkstätte beim Hoffeldhof in Thomasberg an. Es ging immer leicht bergab, meist im Schatten, sehr angenehm an diesem heißen Tag. Die Zeit verging wie im Flug mit Plaudern und Bewundern der herrlichen Natur. Unterwegs kam uns Markus Riegler, der jüngere Bruder vom Hoffeldhof und seine Frau entgegen und begleiteten uns weiter. Beim Eintreffen an der Gedenkstätte waren wir bereits eine größere Gruppe, Johann Riegler und seine Familie gesellten sich auch dazu.

Hier, wo vor mehr als 70 Jahren ein Flieger mit sowjetischer Besatzung genau über dem Bauernhof abgeschossen wurde und explodierte, hat Markus Riegler im Jahr 2015 aus den Überresten des Propellers eine würdige Gedenkstätte errichtet. Sein Bruder Johann hat dazu den Grund zur Verfügung gestellt. Als Zeichen der Dankbarkeit, dass die Familie damals überlebt hat und aus Ehrfurcht vor den Toten, die als junge Soldaten hier ihr Leben verloren haben. Diese Geste der Familie Riegler ist ein hervorragendes Beispiel von „Brücken bauen“ zwischen den Ländern. Ein Akt der Menschlichkeit, ein Beitrag zum Frieden!

 

Als Zeitzeuge der Ereignisse schilderte uns Johann Riegler ausführlich den Hergang des Flugzeugabsturzes am Abend des 29. zum 30. März 1945. Das Flugzeug explodierte direkt über dem Bauernhaus, dennoch kam die Familie noch glimpflich davon. Alle konnten sich lebend retten, nur ein französischer Zwangsarbeiter starb unter den Trümmern. Freilich, der Bauernhof ging in Flammen auf und brannte restlos ab. Dennoch war die Familie froh, dass alle lebten. Die Besatzung des Fliegers war jedoch verloren. Fünf oder sechs junge sowjetische Soldaten starben, die verbrannten Leichenteile lagen überall verstreut herum. Noch war Krieg und dieses Gebiet umkämpft. Die Toten wurden rasch an Ort und Stelle beerdigt. Die Familie musste in den nächsten Wochen mehrmals den Aufenthaltsort wechseln, war aber stets dankbar, dass sie überlebt hatten. Die metallenen Flugzeugteile wurden abgeholt und wiederverwertet. Nur der gebrochene Propeller blieb am Hof. Beim Wiederaufbau des Hauses wurde er als Fensterüberlager verwendet und eingemauert. Erst viele Jahre später, als dieser Gebäudeteil umgebaut wurde, kam der Propeller wieder zum Vorschein. Markus Riegler wahrte ihn in seinem Haus auf, bis er auf den Gedanken kam, den hier Verunglückten eine würdige Gedenkstätte zu errichten. Sein Bruder Johann stellte für diesen Zweck sein Grundstück zur Verfügung.

 

Nach der Erzählung dieser Tragödie, die uns alle sehr berührte, lud uns die Familie Riegler auf eine Jause ein. Zu unserer Überraschung wurde es eine Schlemmerei mit Kaffee und mehreren Sorten Torten und süßem Gebäck! Wir alle waren sehr angetan von der Herzlichkeit dieser Familie.

 

Wir traten den Rückweg an, doch das Programm war noch nicht zu Ende. Unterwegs kehrten wir noch bei Markus Riegler ein, der uns Fotos der Piloten und andere Papiere zeigte. Wieder gab es eine Bewirtung, aber leider konnte keiner mehr etwas essen.

 

Als wir die Heimfahrt antraten, waren wir uns alle einig: es war ein wunderschöner, sehr interessanter und gelungener Tag in jeder Hinsicht! Wir werden ihn nicht vergessen!

Eleonore Dupuis 31. Mai 2017

 

 

Marsch des „Unsterblichen Regiments“ Moskau 9. Mai 2017

 

Völlig überraschend wurde ich kürzlich eingeladen, dieses Jahr am Marsch des Unsterblichen Regiments (Бессмертный полк) in Moskau teilzunehmen. Das ist eine große Ehre und ein Zeichen der Anerkennung unseres Status als Kinder mit sowjetischen Soldatenvätern der Nachkriegsjahre.

Alles musste sehr schnell gehen, ich durfte noch eine Person aus unserer Gruppe mitnehmen, Hanni war sofort bereit und so flogen wir am 8. Mai nach Moskau. Spätabends kamen wir im Hotel Präsident an. Viktor, ein freiwilliger Helfer dieser Aktion kam später noch ins Hotel und gab uns Informationen für den nächsten Tag. Um 13 Uhr sollte der Marsch für uns am Puschkinplatz beginnen. Im Hotel waren unter anderem noch Gruppen von Amerikanern, Deutschen, einige Franzosen, Italiener, Schotten. Das hat uns sehr gefreut.

Am 9. Mai war leider sehr schlechtes Wetter, kalt und regnerisch. Um 11.45 machten wir uns auf den Weg vom Hotel zum Puschkinplatz.

Die Leute wurden in kleine Gruppen aufgeteilt und jede von einem freiwilligen Helfer begleitet. Unsere Gruppe war sehr klein, fünf Personen und eine freiwillige Helferin die uns leitete und begleitete. Wir kamen ungefähr um 13.15 zum Puschkinplatz, da war schon eine große Menschenmenge. Alle trugen Tafeln mit dem Bild ihres Vaters, Großvaters oder Urgroßvaters, eines Rotarmisten. Die gesamte Twerskaja Uliza und sämtliche Nebenstraßen waren gesperrt, vom Kreml aufwärts bis zur Station Dynamo. Ein gigantischer Zug von über 800.000 Menschen vereint in einem Gedanken: die Kämpfer von damals dürfen nicht vergessen werden. Und keine Kriege mehr. Denn jede Familie in Russland hat einen oder mehrere ihrer Lieben verloren. Das ist die Botschaft dieser Aktion. Es war sehr bewegend.

Wir marschierten dann mit dem Zug ungefähr die Hälfte der Twerskaja hinunter in Richtung Kreml, dann war eine lange Weile Halt, da der Rote Platz erst um 15 Uhr freigegeben wurde. Immer dichter wurde die Menge, Musik ertönte aus den Lautsprechern, die Leute sangen mit, man spürte die Welle von Begeisterung. Es war ein großartiges Ereignis von überdimensionalem Ausmaß! Nicht einmal das schlechte Wetter trübte die Stimmung, obwohl es kalt und windig war und immer wieder leicht regnete. Am Roten Platz war die Stimmung noch lauter und fröhlicher, die Begeisterung noch mehr zu spüren. Danach zerstreute sich die Menge in alle Richtungen.

Dass wir hier dabei sein durften, empfanden wir als Auszeichnung. Es war auch symbolhaft sehr wichtig für uns. Ein überwältigender Eindruck, ein unvergessliches Erlebnis!

Eleonore Dupuis

11. Mai 2017

 

Neuigkeiten aus Österreich / 9. Mai Marsch des Unsterblichen Regiments

Über Olga Pavlenko, Vizerektorin an der RGGU, wo voriges Jahr mein Buch „Befreiungskind“ auf Russisch „Я найду тебя, отец» vorgestellt wurde, bekam ich eine Einladung, am 9. Mai in Moskau am Marsch des „Unsterblichen Regiments“ (Бессмертный полк) teilzunehmen. Völlig überraschend und ganz kurzfristig. Ich darf auch eine Begleiterin aus unserer Gruppe mitnehmen, die Wahl fiel auf Hanni. Alles musste sehr schnell gehen. Die offizielle Einladung des Organisationskomitees bekamen wir in letzter Minute, um noch den Visumantrag beim russischen Konsulat in Wien einzureichen.

Wir fliegen am 8. Mai nach Moskau, am 9. Mai nehmen wir an dieser Aktion gegen das Vergessen teil und am 10. Mai ist unser Rückflug.

Diese Einladung ist eine große Ehre und Auszeichnung, nicht nur für mich, auch für mein Buch und allgemein für unser Thema „Befreiungskinder“.

Eleonore Dupuis

 

Am 28. Februar 2017 fand im Novomatic – Forum die Veranstaltung „Vermisste Menschen und ihre Schicksale“ statt.

Hier zwei Fotos davon:

 

Am 23. Februar hatte Eleonore Dupuis ihre Buchpräsentation in New York St-Petersburg Global Trade House:

Das Russian-American Cultural Center in New York hat mich zu einer Buchpräsentation nach New York eingeladen. Sie fand statt am 23. Februar im St. Petersburg Global Trade Center, einem märchenhaft schönen russischen Souvenirgeschäft in der 5th Avenue.

Dass es mein Buch „Befreiungskind“ in seiner russischen Ausgabe mit dem Titel „Я найду тебя, отец“ von Moskau bis nach New York schaffen würde, hätte ich mir nie träumen lassen!

Regina Khidekel, die Leiterin des Kulturzentrums, hat in ihrer einleitenden Rede sehr treffend ausgedrückt, dass wir, die Befreiungs- und Nachkriegskinder, auch Teil der Geschichte sind und Zeitzeugen einer bestimmten Epoche.

Die Veranstaltung fand in englischer Sprache statt. Die Besucher - zum Großteil selbst Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion oder deren Nachkommen – waren sehr interessiert, stellten Fragen und gaben mir sogar Tipps für die Suche. Ein sehr sympathisches Publikum.

Zu meiner großen Freude ist meine jüngste Tochter aus Montreal nach New York gekommen und sogar Renate Brown aus Florida ist aus Florida angereist. Wir haben alle im selben Hotel gewohnt und viel gemeinsam unternommen.

20.3.2017 Eleonore Dupuis

 

 

Hier noch zwei Links mit Fotos dazu:

http://russianamericanculture.com/events/literary-events/eleonore-dupuis-liberation-child/

https://goo.gl/photos/Lk5fo43j2rtNp9mDA