Jürgen Schubert ist tot

 

* 8. Juli 1946  –  † 20. August 2018

Liebe Russenkinder und Freunde

wir haben die traurige Mitteilung zu machen, dass unser Vereinsmitglied Jürgen Schubert in der vergangenen Nacht verstorben ist.

Bald zu Beginn der Webseite vor ein paar Jahren fragte er an, ob er mir sein Buch „Mundtot“ zuschicken könne. Ich las es und war bestürzt. Seine Kindheit und Jugend in einem westdeutschen katholischen Kinderheim mit Psychopharmaka zur Ruhigstellung in einem Alter, in dem andere Kinder sich frei bewegen und austoben konnten, Schläge als Erziehungsmittel, Zwangsarbeit ohne ordentliche Entlohnung, das war mir eigentlich unvorstellbar.

Ich hatte im Osten eine völlig unbeschwerte Kindheit und Jugend, wurde eher noch gefördert. Ich war tief betroffen von seinem Schicksal. Glücklicherweise fand er einen vernünftigen Mann, der dafür sorgte, dass er dieser Qual entkommen konnte.

Seine Familie wollte von ihm bis zum Ende nichts wissen.

Ich schwor mir, für Jürgen alles zu tun, was mir möglich war. Ändern konnte natürlich niemand etwas daran, aber unsere so unterschiedliche Leben gaben mir die Möglichkeit, etwas abzugeben.

Eines Tages klingelte mein Telefon, Jürgen war dran und erzählte mir, dass er und seine Freunde am Brandenburger Tor stehen und eine Petition bezüglich der Entschädigung an den Bundestag übergeben wollen. Ich ließ alles stehen und liegen und wurde Zeuge der Übergabe.

Mit Jürgen traf ich mich am nächsten Tag wieder und ich zeigte ihm das Ehrenmal in Berlin-Treptow. Wir unterhielten uns lange.

Wir begannen gemeinsam mit seinem Freund Thomas Hagen zu überlegen, was man für Jürgen tun kann. Und so entstanden die Suchseiten und die Schilderung seines Schicksals auf unserer Webseite. Auch entstanden die Sprachversionen auf diese Weise durch Menschen, die ihm helfen wollten.

Wir hielten immer Kontakt, besprachen Entwicklungen. Ganz besonders ging es immer um die Frage, wie sein Vater zu finden sei. Daraus ist nun nichts mehr geworden zu seinen Lebzeiten.

Seit er nun vor ein paar Wochen in ein Hospiz ging, telefonierten wir täglich. Es war zu spüren, dass es mit seiner Kraft zu Ende ging.

Jürgen war immer ein freundlicher Mensch, der sich auch von seinem schweren Leben nicht bedrücken ließ. Wir verlieren einen Freund, den wir nicht vergessen werden.

Mach‘s gut – Jürgen!

Anatoly Rothe

20. August 2018

 

Ein Treffen mit *Berlins Taiga*

Bei der ab und zu üblichen Suche nach unserem Thema im Netz stieß ich auf die Seite https://berlinstaiga.de/.

Dort gibt es eine Geschichte mit einem Russenkind. Ich nahm Kontakt zum Verantwortlichen Holger Raschke auf. Wir trafen uns am 10. August 2018 in Potsdam-Babelsberg.

Wir verständigten uns sofort über eine Zusammenarbeit. Das bot sich geradezu an: Wir helfen Russenkindern, ihre Väter und Familien zu finden, Berlins Taiga organisiert Führungen zu Orten, die mit dem Hiersein sowjetischer Truppen und anderen Einrichtungen in Berlin und Brandenburg zusammenhängen und davon zeugen.

Mit Holger Raschke vor dem Babelsberger Rathaus

Momentan hat Berlins Taiga Stadtführungen in Berlin, Potsdam und Eisenhüttenstadt im Angebot, in Zukunft sollen noch mehr im Berliner Umland hinzukommen. Bei den Touren geht es nicht nur um die Präsenz der sowjetischen Streitkräfte in der Region, sondern auch um Themen wie das Ende des Zweiten Weltkrieges, den Kalten Krieg oder der sowjetische Einfluss auf Architektur und Stadtentwicklung.

Neben den Stadtführungen und Touren gibt es auf der Internetseite von Berlins Taiga auch einen digitalen Ausflugsbegleiter. Dort kann man sich selbst auf Entdeckungsreise begeben und etwas über Orte mit sowjetischer Geschichte erfahren.

Neben bekannten Orten wie dem Reichstag oder der Glienicker Brücke sind das auch eher unbekanntere Orte wie das ehemalige Untersuchungsgefängnis im Potsdamer Militärstädtchen Nr. 7, die verlassenen Kasernen der Friedensstadt bei Blankensee oder zahlreiche sowjetische Ehrenfriedhöfe im Land Brandenburg.

Der Auflugsbegleiter zeigt auf, wie vielfältig die sowjetische Geschichte in der Region ist und wie zahlreich deren Spuren sind.

Wen also dieses Angebot interessiert, sehe sich die Webseite https://berlinstaiga.de/ an.

Auch wir überlegen, ob wir einmal ein Russenkindertreffen mit einer solchen Besichtigung verbinden. Das Wissen um unsere Väter und ihr Leben hier ist nicht sehr ausgeprägt. Eine solche Veranstaltung kann uns helfen, es besser zu verstehen.

Wie wäre es so im November? Bitte gebt Bescheid, was Ihr davon haltet.

Anatoly Rothe


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Und bitte nicht vergessen – der 22. Juni 1941 war der Tag des Überfalls Nazideutschlands auf die Sowjetunion.

Wie es manche Gedenktage so an sich haben, einer mit mehrfacher Bedeutung, für uns der Tag, als unsere Väter der ersten Generation mobilisiert und eingezogen wurden, um ihre Heimat vor der Zerstörung zu bewahren. Das Ergebnis war die Niederschlagung Nazideutschlands und die Besetzung. So ergaben sich die Möglichkeiten für unsere Väter, unter den verschiedensten Umständen deutsche, österreichische und dänische Frauen kennenzulernen. Wir, die Russenkinder, wurden unter diesen Verhältnissen gezeugt und geboren.

Laßt uns das niemals vergessen! Die Nationalitäten der ehemaligen Sowjetunion gehören zu uns. Sie sind eine der beiden Wurzeln unseres Daseins.


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Kasachstan aktuell: Beziehungen Kasachstans zu Russland und der GUS – eine Veranstaltung der Berliner Freunde Russlands e.V. am 20. Juni 2018 im Haus der Russischen Wissenschaft und Kultur

Botschaftsrat Dr. Yerbulat Seilekhanov von der kasachischen Botschaft in Berlin berichtete über die aktuellen Beziehungen seines Landes zu Russland, den GUS-Staaten und zu seinen Nachbarn.

Angesprochen wurden besonders die Themen Wirtschaftsentwicklung, Investitionen, Landwirtschaft, Tourismus, Umwelt, Verteidigungsbündnisse, das Zusammenleben der kasachischen Nation mit seinen verschiedenen Völkerschaften. Es gab großes Interesse, viele Fragen wurden zu den einzelnen Punkten gestellt.

Auf dem Foto links der Botschaftsrat Dr. Yerbulat Seilekhanov

Die Berliner Freunde der Völker Russlands e.V. sind ein Verein, der sich sachlich mit den Entwicklungen beschäftigt und um Freundschaft mit den Völkern Russlands bemüht ist.Dieses Thema ist auch unser Thema, weil es sich um die Völker unserer Väter handelt und uns am Herzen liegen müßte. Wir veröffentlichen deren Termine auf unseren Seiten.

 

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Besuch der Ausstellungseröffnung von

"Geboren in der Revolution - Das erste Jahrzehnt der Roten Armee"

am Mittwoch, den 11. April 2018 Deutsch – Russisches Museum Berlin – Karlshorst

   

Unsere Väter dienten in dieser Armee, weshalb deren Gründung und Entwicklung für uns von Interesse ist.

Die Gründung der Roten Armee, teilweise aus der alten zaristischen, aber ebenso aus den neuen Kräften der Bolschewiki hervorgegangen, wird in ihren ersten zehn Jahren dokumentiert. Dieses Museum, Ort der Kapitulationsunterzeichnung des deutschen Naziregimes gegenüber den vier Alliierten, ist immer einen Besuch wert.

Wir sind dem Museum verbunden, führen unsere Jahresversammlungen dort durch, besuchen die Feiern zum Tag des Sieges am 8. Mai. Und wenn sich Anlässe ergeben, wie den 22. Juni, dem Tag des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion.

Bei dieser Veranstaltung ergaben sich Begegnungen.

Auf dem Foto der Direktor des Russischen Staatlichen Militärarchivs Moskau, RGVA, Vladimir P. Tarasov. Es gab ein Gespräch mit ihm.

 

Das zweite Foto zeigt rechts den Direktor des Museums, Herrn Dr. Jörg Morré, links Herrn Dr. Ulrich Kremser.

 

Wer von den Russenkindern einmal nach Berlin kommt und etwas Zeit und Interesse mitbringt, fahre nach Karlshorst.

 

Anatoly Rothe

 

 

 

Jahresversammlung des Vereins Russenkinder e.V.

Am 21. 10. 2017 fand unsere Jahresversammlung im Deutsch-Russischen Museum statt.

Solche Versammlungen bilden einen Höhepunkt im Vereinsleben. Entsprechend der Tagesordnung begann die Promoventin Sophie Hubbe (Sigmund Freud Privatuniversität Wien / Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) mit der Vorstellung ihres Promotionsprojektes zu deutschen Besatzungskindern und Besatzungsenkeln. Wir hatten zwei Russenkinder zu Gast, die ihre Geschichten erzählten. Wie immer, wenn Menschen ihre Schicksale erzählen, besonders wenn diese tragisch sind, beeindruckt das die Zuhörer.

Schließlich haben sich Teilnehmer zur Mitarbeit bereit erklärt. Wir sind daran interessiert, ein möglichst breites Spektrum unserer Leben in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir danken den Beteiligten für ihre Offenheit.

 

Der Rechenschaftsbericht beschäftigte sich mit den Schwerpunkten der Arbeit des vergangenen Jahres.

Im Mittelpunkt, wirklich wichtig für uns, ist die Situation der Auskunftsgewährung durch die russischen Archive. Während alle Archive, die den Diensten Russlands angehören, die Informationen über unsere Väter bereitwillig Auskunft erteilen, und wenn sie es nicht können, uns an das Militärarchiv in Podolsk verweisen, ja selbst unsere Anfragen nach dort weiterleiten, hat dieses Archiv verschiedenen Russenkindern in Deutschland und Österreich mindestens fünf verschiedene Versionen geschrieben, warum es selbst keine Auskünfte mehr erteilt

Wir schrieben das Archiv selbst, den russischen Botschafter in Berlin, Grinin, schließlich den russischen Präsidenten Putin an. Alles ohne Erfolg.

In den Verfassungen und Grundgesetzen der allermeisten Länder in der Welt wird die Familie als wichtiges Gut geschützt. Hier hat die russische Militärbürokratie das für sich außer Kraft gesetzt.

Wir werden dem nicht einfach zusehen, sondern weitere Schritte unternehmen. Als Verein sind wir Teil der Zivilgesellschaft und erwarten entsprechende Antworten.

Die Zahlen der Besucher unserer Webseiten ist in einem beeindruckendem Maße gewachsen. Schon jetzt im Oktober wurden die Vorjahreszahlen übertroffen.

Die Webseite ist nicht mehr wegzudenken. Beim Ausfall im August dieses Jahres wurde die Notwendigkeit deutlich. Weltweit greifen Interessierte darauf zu.

Turnusgemäß stand die Wahl des Vorstandes an. Der alte Vorstand wurde mit Dank verabschiedet und ein neuer gewählt.

Frau Dr. Ingrid Thomas und Anatoly Rothe wurden einstimmig wiedergewählt. Und was uns besonders freut, ein weiteres Russenkind, Hendrik Schink, erweitert den Vorstand.

Als nächste Aufgaben stehen an – die Klärung der Situation der Auskünfte aus dem Militärarchiv in Podolsk. Schließlich sind dort die Unterlagen, die die allermeisten Russenkinder betreffen. Wobei die Anzahl der Anfragen überschaubar ist.

Die Webseite muß gestrafft werde. Wichtige Artikel in andere Sprachen übersetzt werden.

Und schließlich benötigen wir eine größere Spende oder Zuwendung, um unsere Russenkinder besser aufrufen zu können, sich auf den Weg der Suche nach ihren Vätern, resp. Familien zu begeben .

 

4. 10. 2017 Deutschlandfunk Kultur

Nach mehreren Kontakten mit Journalisten bekommen wir langsam Öffentlichkeit.

"... vielleicht erinnern Sie sich ja noch an unser Interview im Sommer. Der erste Beitrag, der daraus entstanden ist, wird am 04. Oktober gesendet. Innerhalb der Sendung "Länderreport" auf Deutschlandfunk Kultur werden die acht Minuten zwischen 13:05 und 14:00 Uhr ausgestrahlt."

Das schrieb uns der Interviewer.

Wichtigste Aussage: Russenkinder haben die Möglichkeit, ihre Väter zu suchen. Wie sie es machen können, erfahren sie auf unserer Webseite. Und wenn sie Hilfe brauchen, können sie sich vertrauensvoll an uns wenden.

Hier zu hören:
Besatzungskinder im Nachkriegsdeutschland"Russenbalg!"
http://www.deutschlandfunkkultur.de/laenderreport.1000.de.html
und auf "HÖREN" drücken.

 

 

 

 

27. 6. 2017 - Konzert mit Valery Gergiev in Berlin

 

Wie in unseren Terminen angekündigt, fand heute das Konzert statt. Wir wiesen ja darauf hin, dass mit der Roten Armee auch die russische und sowjetische Kultur und Kunst zu uns kam.

Heute war wieder so ein Ereignis. Wer kann sich schon der Musik Pjotr Tschaikowskis entziehen? Ebenso der Ludwig van Beethovens? Dirigiert von einem russischen bedeutendem Dirigenten?

Und so gab es in der Pause ein Treffen mit einer von uns, N. S. Ihr Mann war so freundlich, deshalb nicht auf dem Foto, eine Aufnahme zu machen. Ihre Tochter erzählte, dass sich inzwischen ihre Tochter, also die Enkelin für den Fortgang interessiert.

Wir sollten derartige Gelegenheiten nutzen, das Land, die Kultur, die Lebensweise der Länder unserer Väter kennenzulernen, sie verstehen zu lernen und sie schätzen zu lernen.